Das Hôpital Riviera-Chablais: eine menschliche Betreuung auf dem Weg zur Genesung
schrieb am 08.04.2026Vor den komplexen Operationen und den Wochen der Genesung in La Maison markiert eine vorbereitende, unverzichtbare und entscheidende Etappe den Beginn des Weges: die erste Gesundheitsuntersuchung. Für manche Kinder findet diese im Hôpital Riviera-Chablais statt. Dort wird ihr klinischer Zustand sorgfältig beurteilt, in einer Umgebung, die darauf bedacht ist, zu beruhigen, zu trösten und zu begleiten.
Hier entstehen die ersten Bindungen, bevor die Fachmedizin voll zum Tragen kommt. Dank seiner pädiatrischen Abteilungen und seiner Nähe kümmert sich das Krankenhaus auch um nicht lebensbedrohliche Notfälle und ergänzende Untersuchungen und gewährleistet so eine wertvolle Kontinuität der Versorgung während des gesamten Aufenthalts.
Von Valérie Pellissier
Eine Reise voller Hoffnung
An einem Morgen im Januar landet ein Flugzeug auf dem Rollfeld des Genfer Flughafens. An Bord entdeckt der siebenjährige Saliou eine neue Welt, getragen von der Hoffnung, sein Herz heilen zu können, das von einer Fehlbildung der Aortenklappe betroffen ist. Der Junge wurde in seinem Heimatland Senegal von Mécénat Chirurgie Cardiaque, einem der Partner von La Maison, ausfindig gemacht, um in der Schweiz medizinisch versorgt zu werden.
Nachdem er stundenlang durch Himmel und Nacht gereist ist und seine Familie und seine gewohnte Umgebung hinter sich gelassen hat, nimmt Saliou seine Umgebung wahr. In der Schweiz empfängt ihn Heang Cavadini, Koordinator bei La Maison. Dieses erste Gesicht markiert den Beginn einer Kette aus medizinischer Versorgung, Solidarität und Fürsorge, die präzise orchestriert ist. Der Mann nähert sich ihm ruhig und streckt ihm die Hand entgegen.
„Beim ersten Kontakt geht es wirklich darum, das Kind zu beruhigen, ihm zu zeigen, dass es erwartet wird, und damit es anfangen kann, uns zu vertrauen“, berichtet er.
Nach dieser langen Reise begeben sie sich zunächst zur medizinischen Untersuchung in die Krankenstation des Flughafens. Dann, im Auto auf dem Weg zum Hôpital Riviera-Chablais, schläft Saliou ein, und dieses kleine, strapazierte Herz findet einen Moment der Ruhe.

„Beim ersten Kontakt geht es wirklich darum, das Kind zu beruhigen, ihm zu zeigen, dass es erwartet wird, und damit es anfangen kann, uns zu vertrauen.“
Heang Cavadini, Koordinator bei La Maison
Wenn die Anwesenheit beruhigt
Im Spital wurde alles im Vorfeld mit Karen Zucchinetti Rapin koordiniert, der Leiterin des Teams von zwölf Freiwilligen, die die Kinder in dieser entscheidenden Phase begleiten. Eine von ihnen, Carmen Jaramillo, wartet bereits. Als Patin seit mehreren Jahren kennt sie diese Ankünfte und diese von der Tortur gezeichneten Blicke. Da die Familie im Heimatland geblieben ist, wird sie zu einer beruhigenden Präsenz, die jeden Augenblick über das Kind wacht.
Sie nähert sich Saliou leise, beugt sich auf seine Höhe hinunter, nimmt ihn bei der Hand und führt ihn in sein Zimmer. „Ich werde ihm mit einfachen Worten erklären, dass ich bei ihm bleiben werde, dass er nicht allein sein wird, dass ich ihn überallhin begleiten werde“, flüstert sie. Es ist unerlässlich, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. „Dafür habe ich auch meine kleinen Tricks: Aufkleber, Buntstifte. Das beschäftigt, beruhigt und erleichtert den Kontakt“, sagt sie ruhig.
Die erste Gesundheitsuntersuchung kann nun beginnen. Dieser Schritt ermöglicht es, den Zustand des Kindes vor dem weiteren medizinischen Verlauf genau zu beurteilen. Röntgenuntersuchungen, Blutabnahmen, Elektrokardiogramm… Präzise und unverzichtbare Handgriffe, ruhige Stimmen, ständige Aufmerksamkeit für diesen kleinen Jungen, der eine neue Welt entdeckt, geprägt von Fürsorge und beruhigender Präsenz.
Dann kehrt eine etwas unbeschwertere Stimmung ein. Eine Tür öffnet sich zu einem Ort mit symbolischem Namen: Le Sparadrap. Es handelt sich um einen Spielbereich für die Kleinen, in dem die Bilder daran erinnern, dass das Leben trotz allem weitergeht. „Es ist ein magischer Ort, den die Kinder lieben. Eine Erzieherin bietet dort Aktivitäten an“, fügt Carmen hinzu.
Die Spiele, eine Autorennbahn oder auch ein roter Lastwagen auf einem Regal werden plötzlich zu einem Zufluchtsort inmitten des Unbekannten.
In diesen heiklen Momenten ist die Anwesenheit der Patinnen und Paten von entscheidender Bedeutung. Durch ihr unaufdringliches Engagement und ihre ständige Zuwendung schenken sie dem Kind menschliche Nähe, die den entscheidenden Unterschied ausmacht. Durch diese stillen Gesten entfaltet sich um das Kind herum eine kollektive Solidarität, die den Werten von La Maison treu bleibt.
„Ich werde dem Kind mit einfachen Worten erklären, dass ich bei ihm bleiben werde, dass es nicht allein sein wird, dass ich ihn überallhin begleiten werde.“
Carmen Jaramillo, Patin im Hôpital Riviera-Chablais in Rennaz
Hände, die den Staffelstab weiterreichen
Die Stunden vergehen. Carmen übergibt den Staffelstab an einen anderen engagierten Paten, Rico Costa, der sich seinerseits die Zeit nimmt, an der Seite des Kindes zu bleiben. Im Hôpital Riviera-Chablais geschieht nichts abrupt. Der Übergang erfolgt behutsam. „Hier arbeiten wir als Team und sind Erwachsene ohne Uniform“, erklärt er schlicht. „Das ist wichtig. Ohne weissen Kittel versteht das Kind, dass wir nicht zum medizinischen Personal gehören, dass wir auf andere Weise für es da sind.“
Am nächsten Tag macht sich Rico, ebenfalls Begleiter, mit Saliou auf den Weg nach Massongex. Im Auto finden die Worte nach und nach ihren Platz. Er reicht ihm ein Fotoalbum von La Maison, beschreibt die Räumlichkeiten, erzählt von den anderen Kindern, die in ähnlichen Situationen leben, sowie vom Alltag, der ihn erwartet. „Wir ermutigen das Kind sehr. Wir erklären ihm, dass es dort ein bisschen wie zu Hause sein wird, dass es Freunde und Freundinnen finden wird. Es wird nicht mehr allein mit Erwachsenen in einem medizinischen Umfeld sein“, erzählt er leise.
Saliou hört zu. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, etwas beruhigt sich. In Massongex findet er ein neues Lebensumfeld und eine Gemeinschaft.

Ein verlässlicher Partner, eine ständige Präsenz
Im „La Maison“ beobachtet Mélanie Casanova, die Leiterin der Krankenstation, die ankommenden Kinder mit besonderer Aufmerksamkeit. Sie bemerkt Salious Zurückhaltung, seine Art, die Umgebung genau zu mustern, als wolle er erst verstehen, bevor er es wagt, Vertrauen zu schenken. Für sie spielt das Hôpital Riviera-Chablais eine wesentliche Rolle im Behandlungsverlauf der Kinder. „Es ist ein kompetenter und zuverlässiger Partner vor Ort“, erklärt sie. „Je nach Gesundheitszustand des Kindes kann die erste Gesundheitsuntersuchung direkt nach der Ankunft in der Schweiz in Rennaz oder in einem Partner-Universitätsspital durchgeführt werden. Dies ist ein entscheidender Schritt, um die Grundlagen für die weitere Betreuung zu schaffen. Während des gesamten Aufenthalts in La Maison wissen wir auch, dass wir uns bei nicht lebensbedrohlichen Notfällen, bestimmten Konsultationen in der Poliklinik oder auch bei ergänzenden Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen oder Ultraschall auf sie verlassen können.“
„Diese akuten Situationen, die nicht unmittelbar lebensbedrohlich sind, fallen oft kaum auf, dürfen aber keinesfalls unterschätzt werden“, betont Nathalie Revaz, Kinderärztin und Mitglied des Stiftungsrats von La Maison. „Eine schnelle Versorgung hilft, Komplikationen zu vermeiden und das Gleichgewicht des Kindes zu bewahren.“
In enger Zusammenarbeit mit dem Team von La Maison stellt Nathalie den Pflegekräften ihr medizinisches Fachwissen zur Verfügung, berät sie bei der Beurteilung von Situationen und trägt so dazu bei, Entscheidungen zu verfeinern – stets im Interesse des Kindes.
So begleitet das Hôpital Riviera-Chablais über diese erste Beurteilung hinaus langfristig die besonders schutzbedürftigen Kinder, die in La Maison aufgenommen werden. Herzversagen, Unfälle im Alltag, Atemwegsbeschwerden: All dies sind Situationen, die eine schnelle, angemessene und beruhigende Reaktion erfordern. Dank seiner spezialisierten pädiatrischen Abteilungen, seiner Notaufnahme und seiner Intermediate Care können die Kinder engmaschig betreut werden, und zwar in einer Kontinuität, die ihr Gleichgewicht und ihre Energie bewahrt.
Je nach Gesundheitszustand wird das Kind von einem ehrenamtlichen Begleiter, einem Mitglied des medizinischen Teams von La Maison oder mit dem Krankenwagen transportiert. In jedem Fall bleibt das Ziel dasselbe: ihm ein sicheres und auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Umfeld zu bieten.
Bald stehen weitere Schritte an. Eingreifendere. Technisch anspruchsvollere. In Lausanne, am CHUV, einem weiteren medizinischen Partner von La Maison, werden Chirurgen die Arbeit übernehmen, um Salious erschöpftes Herz zu reparieren. Doch noch ist es nicht an der Zeit für den Eingriff. Jetzt geht es um die Aufnahme, um diese erste notwendige Station, an der das Kind wieder zu Atem kommen kann, bevor es weitergeht.
Ein über die Zeit gewachsenes Vertrauen
Im Laufe der Zeit hat sich eine solide Beziehung zwischen den Fachkräften von La Maison und denen des Krankenhauses aufgebaut, die durch ständigen Austausch und gegenseitige Anpassungen gepflegt wird.
„Die Teams in Rennaz kennen die Kinder von La Maison, ihre Schwächen und ihre Erkrankungen. Das ermöglicht eine angepasste Betreuung in einer Atmosphäre der Gelassenheit und des gegenseitigen Verständnisses“, erklärt Mélanie.
Es finden regelmässig Treffen statt, um Erfahrungen auszutauschen, die Vorgehensweisen zu verfeinern und sich auf das Wesentliche zu besinnen: das Kind in den Mittelpunkt zu stellen, in seiner menschlichen Dimension, weit über seine Krankenakte hinaus.
Betreuung vor Ort
Das Hôpital Riviera-Chablais ist ein starkes Glied in der Versorgungskette. Ein Krankenhaus mit menschlichem Antlitz, wo ein Blick genauso viel zählt wie eine Diagnose, wo die geografische Nähe zu einem wertvollen Verbündeten wird.
„Es ist ein herzlicher Ort, die Atmosphäre ist fast familiär. Hier nimmt man sich Zeit“, erzählt Carmen.
Für Nathalie ist diese menschliche Dimension entscheidend: „Für Kinder, die von weit her gekommen sind, verbessert diese Nähe das Erlebnis der Versorgung. Sie ermöglicht menschliche Kontinuität, ein Gefühl der Anerkennung und der Sicherheit. Das ist grundlegend für Kinder, die durch Krankheit und Entfernung ohnehin schon geschwächt sind.“
Für Rico, Pate und Begleiter, geht diese Rolle weit über den medizinischen Rahmen hinaus. Er beobachtet, wie sehr diese Etappe in Rennaz das Kind sanft auf den weiteren Verlauf seines Weges vorbereitet. „Hier braucht es Verfügbarkeit und Geduld. Vertrauen entsteht in der Stille, im Respekt vor dem Rhythmus des Kindes.“ Zwischen dem Spital und La Maison kann die Autofahrt zu einem Moment der Beruhigung werden.

„Die Teams in Rennaz kennen die Kinder von La Maison, ihre Schwächen und ihre Erkrankungen. Das ermöglicht eine angepasste Betreuung in einer Atmosphäre der Gelassenheit und des gegenseitigen Verständnisses.“
Mélanie Casanova, Leiterin der Krankenstation von La Maison
Der Blick in die Zukunft
Heute geht es Saliou besser. Er lacht, er lernt, er stürzt sich in neue Abenteuer. Seine Muttersprache, das Wolof, begleitet ihn weiterhin, während sich sein Französisch im Rhythmus seiner Schritte, seiner Spiele und seiner Entdeckungen verbessert. Er hat die Grenze zwischen Sorge und Gelassenheit überschritten, diesen heiklen Übergang, an dem das Kind bereit ist, sich vertrauensvoll treiben zu lassen.
Dank Ihrer Unterstützung können auch andere Kinder diese lebenswichtige Phase durchleben, umgeben von wohlwollenden Menschen und aufmerksamer Fürsorge.
Ihre Spende ermöglicht es La Maison und dieser starken Solidaritätskette, diesen Weg der Menschlichkeit fortzusetzen, von den ersten Schritten an, dort, wo alles beginnt.
Eine Präsenz, die von den ersten Augenblicken an beruhigt

Als Seelsorgerin und spirituelle Begleiterin koordiniert Karen Zucchinetti Rapin die Gruppe der ehrenamtlichen Patinnen und Paten, die die in La Maison aufgenommenen Kinder bei den ersten Gesundheitsuntersuchungen oder bei unvorhergesehenen Krankenhausaufenthalten begleiten. An der Schnittstelle zwischen den Pflegeteams, La Maison und den Freiwilligen sorgt sie dafür, dass kein Kind diese Momente allein durchstehen muss, und gewährleistet so eine beruhigende und zutiefst menschliche Kontinuität.
Was ist Ihre Rolle in der Partnerschaft mit La Maison?
Meine Rolle besteht in erster Linie darin, die Verbindung zwischen dem Hôpital Riviera-Chablais, La Maison und den Freiwilligen herzustellen. Ich koordiniere die Anwesenheit der Paten und Patinnen bei den Kindern, sei es bei ihrer Ankunft zu einer ersten Gesundheitsuntersuchung oder bei unvorhergesehenen Krankenhausaufenthalten. Das Ziel ist, dass in den sensibelsten Momenten immer ein Bezugserwachsener für das Kind da ist.
Wie viele Freiwillige sind in diesem Projekt tätig?
Wir zählen derzeit zwölf aktive Freiwillige. Einige sind auch als Begleiter tätig, doch ihre Hauptaufgabe liegt im Krankenhaus, an der Seite der Kinder. Es sind sehr engagierte Menschen, die ein tiefes Gespür für die Verletzlichkeit dieser Momente haben.
Was tun Sie, wenn das Kind im Krankenhaus ankommt, oft nach einer langen Reise und ohne seine Eltern?
Wir sorgen dafür, dass bei der Ankunft eine Patin oder ein Pate anwesend ist. Diese erste menschliche Anlaufstelle ist unerlässlich. Das Kind sieht ein Gesicht, spürt Zuwendung und versteht, dass es nicht allein ist. Selbst wenn die Zeitpläne eng sind, hat diese Begleitung für uns absolute Priorität.
Welche Rolle spielt die Patin oder der Pate für das Kind?
Sie ist vor allem eine beruhigende Bezugsperson. Die Verbindung entsteht manchmal durch Worte, sehr oft aber durch nonverbale Signale: eine Geste, eine Körperhaltung, eine sanfte Berührung. Die Freiwilligen begleiten das Kind während der Untersuchungen, erklären ihm auf einfache Weise, was gerade passiert, und bleiben an seiner Seite. Diese menschliche Präsenz verändert das Krankenhauserlebnis grundlegend.
Auch das Spielen nimmt bei dieser Begleitung einen wichtigen Platz ein. Warum?
Weil es Kinder sind. Das Spiel ist eine universelle Sprache. Der „Sparadrap“-Raum, das Spielzimmer des Krankenhauses, hilft, das Warten zu erleichtern und ein wenig Unbeschwertheit dorthin zu bringen, wo alles bedrückend wirken kann. Es ist eine Möglichkeit, das Kind daran zu erinnern, dass es in erster Linie ein Kind bleibt.
Sind die Paten und Patinnen nur bei den ersten Untersuchungen dabei?
Nein. Sie können auch bei unvorhergesehenen medizinischen Situationen hinzugezogen werden. Wenn wir die Nachricht erhalten, dass ein Kind ins Krankenhaus eingeliefert wurde, versuchen wir, eine Begleitung zu organisieren, damit es diese Momente nicht alleine durchstehen muss.
Inwiefern macht diese Partnerschaft mit La Maison für die Kinder den Unterschied?
Sie schafft menschliche Kontinuität. Das Pflegepersonal weiss, dass ein wohlwollender Erwachsener anwesend ist, und wir wissen unsererseits, dass wir auf La Maison zählen können. Gemeinsam umgeben wir jedes Kind mit solidarischer Zuwendung.
Was bedeutet das Hôpital Riviera-Chablais für die Kinder, die bei La Maison aufgenommen werden?
Es ist oft ihr erster Kontakt mit dem Gesundheitssystem in der Schweiz. Ein Moment voller Emotionen. Wir tun alles, damit diese erste Erfahrung so einladend wie möglich ist, trotz der emotionalen Belastung, die sie mit sich bringt.
Was bedeutet dieses Engagement für Sie persönlich?
Es ist ein zutiefst menschliches Engagement. La Maison hat schwierige Zeiten durchlebt, ist aber seinen Werten treu geblieben. Ich bin gerührt, dass ich auf meine Weise zu dieser Kette der Solidarität beitragen kann, und freue mich darauf, diese Partnerschaft weiter zu stärken.